Plattentipps
Jeden Monat neu – die persönlichen Highlights von Markus, Tom und Holger.THE OSCAR PETERSON TRIO - At Baker’s Keyboard Lounge
Im Rahmen des 70-jährigen Geburtstages des Verve-Labels (neben Blue Note das andere ikonische Label für Jazz aus den 50ern), gibt es endlich diese Platte, die 65 Jahre als verschollen galt. Aufgenommen wurde dieses sensationelle Live Album im Jahre 1960 im ältesten, immer noch existierenden Jazz-Club der Welt, in der Baker’s Keyboard Lounge in Detroit. Oscar Peterson war damals auf der Höhe seines Schaffens und das Trio, zusammen Ray Brown am Kontrabass und Ed Thigpen am Schlagzeug, zeigt auf diesem Album einmal mehr, warum sie immer noch unerreicht sind, was das klassische Piano Trio im Jazz betrifft. Alles Tracks zeigen, was dieses Trio vor allem ausgemacht hat: ein blindes Verständnis für ein swingendes Miteinander, hochgradig präzise und sophisticated. Alle Stücke sind Meisterwerke der Improvisation und Virtuosität. Selten hat mich eine alte Jazz-Live Aufnahme so begeistert wie diese.
JAMIE CULLUM - The Song Society Playlist (RSD 26)
Seit einem wunderbaren Weihnachtsalbum 2020 (The Piano Man at Christmas) gab es langen nichts Neues von Jamie Cullum – doch dann kam der Record Store Day (RSD) 2026 und Jamie veröffentlichte seine Song Society Playlist erstmalig auf Vinyl. Das Projekt gibt es seit 2015. Jamie Cullum nimmt sich seitdem immer wieder einen Lieblingssong anderer Künstler vor, covert sie noch am gleichen Tag live und veröffentlicht den Song per Stream Inzwischen haben 55 Millionen Menschen die Playlist gesehen und zum RSD hat Jamie Cullum sie nun auf rotem Vinyl veröffentlicht. Wir hören wunderbare Cover-Versionen von beispielsweise „Bury a Friend“ von Billie Eilish, „Ex Factor“ von Lauryn Hill oder "Thinkin ‘Bout You" von Frank Ocean. Zum Glück konnten wir nach dem RSD noch ein paar Exemplare davon für den Laden ordern. Wer die Platte haben will, sollte vorbeikommen. Eine Nachpressung wird es nicht geben.
LARS DANIELSSON LIBERETTO – Echomyr
Nun ist es soweit, das fünfte Liberetto Klangwunder ist erschienen und es läßt keine Wünsche offen. Das Stammpersonal, bestehend aus Lars Danielsson (Bass und andere Saiteninstrumente), Gregory Privat (Klavier), John Parricelli (Gitarre) und Magnus Öström (Schlagzeug), ist in Topform und musiziert sehr dicht und homogen. Folkig, jazzig, klassisch, so wie bei den vorhergehenden Produktionen, kommt die Musik daher und ist mit jedem Ton begeisternd. Auch Gäste hat das Quartett wieder zu bieten, Carolina Grinne spielt auf einem Stück Englisch-Horn, Magnus Lindgren ist mit seinen Flöten auf einem Stück vertreten und Arve Hendriksen darf seine Trompete gar bei zwei Stücken auspacken. Persönlich begeistert mich von den Gästen Arve Hendriksen am meisten, sein wundervoller Trompetenton ist eine wahre Freude. Insgesamt ist es ein sehr gelungenes, fantastisch aufgenommenes Album, das selbst audiophile Ohren schlackern lässt- einfach mal ausprobieren!
ELEMENT OF CRIME - Fremde Federn (RSD 26)
Die Fans von Element of Crime, zu denen ich mich auf jeden Fall zähle, erinnern sich bestimmt noch an das Album von 2010, das als CD veröffentlicht wurde und die gesammelten Coverversionen der Band von 1989 bis 2009 beinhaltet. Diese Songs, die von vielen bekannten und unbekannteren Künstlern übernommen wurden, sind auf keinem regulären Album der Band erschienen, sondern waren Single-B-Seiten, Soundtracktitel oder Online-Veröffentlichungen.Somit finden sich auf dieser entzückenden Veröffentlichung Lieder von den Beatles, den Pet Shop Boys, den Bee Gees, Bob Dylan, Udo Lindenberg, um nur einige zu nennen, aber auch etwas „abseitigere“ Titel von Alexandra oder Freddy Quinn. Dieses wunderbare Sammelsurium wurde nun zum Record-Store-Day 2026 als Doppel-LP veröffentlicht, ein Platte blau, die andere Platte orange. Um es mit Sven Regeners Worten zu sagen:“Genau so sieht das aus!“
Wir haben noch ein paar Extra-Exemplare davon besorgt, die wir Euch nun ganz doll an Herz legen möchten!
ROBYN - Sexistential
Robyn ist die absolute Königin der „Sad Dance Bangers“. Allerspätestens seit ihrem Opus Magnum „Body Talk“ hat sie nicht zuletzt mit dem Überhit „Dancing on my own“ etabliert, dass es okay ist im Club beim Tanzen zu weinen. Ihr neues Album „Sexistential“ ist eine tief persönliche Nabelschau über Köperlichkeiten, Mutter werden und Sexualität. Diese Platte zoomt in mikroskopische emotionale Momente rein – und zeigt auf diese intime Weise kontrollierte Pop-Perfektion bei totaler emotionaler Entblößung. Robyn hat die seltene Fähigkeit große Gefühle in etwas zu verwandeln, das eigentlich peinlich sein müsste … und genau diese Peinlichkeit wie den ehrlichsten Teil wirken zu lassen.Großer, mutiger Pop mit großen, mutigen Wahrheiten.
THE TEARS - Here Come The Tears (RSD 26)
Ziemlich genau 10 Jahre nachdem der Gitarrist und Gründungsmitglied Bernhard Butler im Streit seine Band Suede verlassen hat und ungefähr 3 Jahr nach der ersten Auflösung der Band selber, ist ein kleines Wunder passiert. Suede Sänger Brett Anderson hat sich mit Ausnahmegitarrist Bernhard Butler nicht nur ausgesöhnt, sondern sogar eine neue Band gegründet, die die beiden „The Tears“ genannt haben. Mit dieser Band haben sie ein einziges Album veröffentlicht, dass zum diesjährigen RSD die erste Auflage auf Vinyl bekommen hat. Zu hören gibt es hier ein paar der besten „Suede“ Songs, die nie veröffentlicht wurden. Da ist alles wieder da: der Mut zur großen Geste, die „singenden“ Gitarrenlinien von Butler, der Wille zum Pathos und das Bad in Melancholie und Schönheit.Wenn auch Suede Platten wie „Dog Man Star“ deutlich gefährlicher klingen – möglicherweise weil die Reibungspunkte zwischen den beiden Protagonisten seinerzeit schier unüberbrückbar wirken – ist „Here Come The Tears“ mit solchen Glanzstücken wie „Imperfections“ oder „Autograph“ das Suede Album, das es nie gab. Ein romantisches, großes Britpop-Album voller Sehnsucht und Melancholie getragen von einer legendären Reunion, an die besonders die Suede Fans seinerzeit nicht mehr geglaubt hätten.
