Plattentipps

Jeden Monat neu – die persönlichen Highlights von Markus, Tom und Holger.

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Markus empfiehlt

MOSES YOOFEE TRIO (MYT) – Chasing Light

Nachdem MYTs Erstling im August letzten Jahres veröffentlicht wurde und damit der Jazz hierzulande sehr erfrischend bereichert wurde, gibt es jetzt einen kleinen Nachklang. Das neue Album dieses grandiosen Trios heißt „Chasing Light“ ist eine EP und ist in der Tat ein Jäger - Immer wieder werden neue Grooves ausprobiert, angereichert durch viel Urbanes, wie schöne Hip-Hop Sequenzen oder überraschende elektronische Beats. Noch mehr als bei ihrem ersten Album zeigen die drei Berliner, wie Jazz heute klingen kann. Das Trio wirkt hervorragend eingespielt und improvisierfreudig. Man muss allerdings die zum Teil irren Drumsequenzen von Noah Fürbringer ein wenig herausheben ohne dabei die große Musikalität von Moses Yoofee (Keys) und Roman Klobe-Baranga (Bass) zu schmälern. Alles in allem ein super Album einer tollen deutschen Jazz-Neuentdeckung, die in diesem Jahr nun auch schon beim Montreux Jazz Festival spielen – Chapeau!
Cover von MOSES YOOFEE TRIO (MYT) – Chasing Light
Holger empfiehlt

DEATH CAB FOR CUTIE - I Built You a Tower

Wenn Benjamin Gibbard mit seiner wunderbaren Indie-Band Death Cab For Cutie ein neues Album ankündigt, ist es immer eine große Freude. Denn bisher ging es dem Schreiber dieser Zeilen bei jeder Veröffentlichung der Band so, dass er den Alben innerhalb kürzester Zeit verfallen war. Und so begab es sich auch beim aktuellen Album „I Built You A Tower“. Kaum erklang das zweite Stück des Albums, war es schon wieder um mich geschehen! Dieser einmalige Sound, dieses gewitzte Songwriting, der Gitarrensound und die außergewöhnliche Stimme von Ben Gibbard sind ein Gesamtpaket, das besser kaum zu bekommen ist. Wagt einen Selbstversuch, es lohnt sich. Aber: Es könnte dazu führen, dass Eure Sammlung um das Gesamtwerk der Band erweitert wird!
Cover von DEATH CAB FOR CUTIE - I Built You a Tower
Tom empfiehlt

ANGINE DE POITRINE - Vol.1 & Vol.2

An dieser Band ist alles unwahrscheinlich. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand, der mit derart affigen Kostümen auftritt, musikalisch überhaupt ernst genommen wird. Unwahrscheinlich, dass sich plötzlich eine breite Masse für mikrotonalen Math Rock interessiert. Am unwahrscheinlichsten aber ist, dass ich selbst mal Fan von mikrotonalem Angeber-Rock'n'Prog mit doppelhälsigen Gitarren und durchgeknalltesten Zeitsignaturen werden würde.

Angine de Poitrine machen das schier Unmögliche möglich, und zwar mit einer Nonchalance und einem Gefühl für "Banger", die man aus dieser musikalischen Ecke nicht vermuten würde. Denn auch wenn das Schlagzeug manchmal derart Haken schlägt, dass einem nicht nur schwindlig wird, sondern man der Länge nach auf die Baumelnase fällt – man rappelt sich breitgrinsend wieder auf und reitet mit der Band in eine völlig andere Richtung weiter. Das, was in den ersten Takten wie ein verqueres, verkopftes Konstrukt erscheint, wirkt innerhalb kürzester Zeit absolut zugängliche, eingängige, zeitgemäße "Popmusik" – dabei aber so gut wie alle gängigen Konventionen der Selben ignorierend. Abenteuerlustige Hörer werden umgehend belohnt, Neugierige in eine faszinierende, rhythmisch total eigene Welt hereingezogen.

Zwei absolut außergewöhnliche Platten, eine absolut außergewöhnliche Band.
Cover von ANGINE DE POITRINE - Vol.1 & Vol.2

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